Herres: Gerd Schröder. Der Weg nach oben

Herres SchröderDer kleine Gerd, der uneheliche Sohn eines Kirmesarbeiters und einer Putzfrau, wird Lehrling in einem Gemischtwarenhandel von Lemgo. Es folgen die mittlere Reife in der Abendschule und schließlich der Versuch, auf dem Siegerland-Kolleg das Abitur nachzumachen. Der junge Gerd ist kein guter Schüler, aber er schafft es mit moderater Mühe. Obwohl ein guter Fußballspieler muss er nicht zur Bundeswehr, weil er der Sohn einer Kriegerwitwe ist, stattdessen beschäftigt er sich während seines Jura Studiums mit Marx und Engels, tritt in die SPD ein und trifft bei den Jusos die Figuren, die ihn den Rest seines Lebens begleiten werden: Heidemarie Wizcoreck-Zeul und Rudolf Scharping, schon damals seine Konkurrenten, Ottmar Schreiber, der von der JU zu den Jusos kam und Kai Uwe Benneter, seinen Antagonisten von der Stamokap Fraktion. Wie fast alle politisierten Studenten seiner Generation haut er mächtig auf die Pauke ohne etwas von dem zu verstehen, wovon er redet, aber das macht nichts, denn er versteht es, die Oberen der Partei derart zu nerven, man auf ihn aufmerksam wird. Nachdem er Juso Vorsitzender geworden ist, vollzieht sich sein Aufstieg geradezu kometenhaft: im Klima einer nach links gerückten Gutmenschen SPD wird er zum Starverteidiger von Horst Mahler, dann Bundestagsabgeordneter, Spitzenkandidat der SPD in Niedersachsen, ehe er 1990 die Landtagswahl gewinnt und als Ministerpräsident neben Lafontaine, Engholm und Scharping zum Mitglied der „Toskana Fraktion“ aufsteigt. Es ist ein Leben auf der Überholspur, in dem die Überzeugungen kaum länger halten als die Ehen Schon nach drei Jahren verlässt Schröder seine erste Ehefrau Eva Schubach für die Französischlehrerin Anne Taschenmacher, die er wiederum neun Jahre später gegen Hiltrud Hampel ausgetauscht wird. Hiltrud Hampel, bekannter als die mondäne „Hillu“ muss dann im Vorfeld des Aufstiegs zur Kanzlerschaft der jungen Journalistin Doris Köpf weichen, lauter Wechsel, die die Dynamik des Medienpolitikers in keiner Weise beeinträchtigen. Engholm, Scharping, Lafontaine, alle bleiben auf der Strecke und am Ende ist das Kind aus dem Volk dann Bundeskanzler. Happy end oder Realsatire? Beeindruckt und unbefriedigt zugleich legt man die flott geschriebene Biographie zur Seite. Man wird nicht behaupten können, dass sich das Buch sonderlich kritisch mit seinem Gegenstand befasst. Immerhin aber bietet es eine gut lesbare Erfolgsgeschichte, die sich flott liest, auch wenn offen bleibt, ob es in erster Linie eine Erfolgsgeschichte für Gerd Schröder oder auch für Deutschland ist.

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