Barthelemy: Von kommenden Stürmen

Barthelemy Von kommmenden Stürmen-_Im Jahre 2018 brechen Europas Banken unter ihrer Überschuldung zusammen, kurz darauf die Staaten, dann die öffentlichen Versorgungssysteme. Es kommt zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen, als einzelne Länder die EU verlassen wollen. Mit Hilfe der „Anti-Hass Brigaden“, den Nachfolgern der  Antifa, und muslimischen Söldnern gelingt es den regierenden „Sozialtechnokraten“ die Aufstände und Sezessionsbewegungen niederzugschlagen. Um den gewandelten demografischen Realitäten Rechnung zugtragen, wird im Vertrag von  Vijana (ehemals Wien) im Jahre 2036 etwa die Hälfte Europas an „das Kalifat““ und „Mauretanien“ abgetreten. Nur sieben weiße „Homelands“, unter ihnen Austrasien ( das ehemalige Deutschland) bleiben unabhängig, in ihnen werden jedoch die Heimatsprachen zugunsten der primitiven Universalsprache Multilingue abgeschafft. Das gesamte überlieferte Wissen, Gedichte, Wissenschaft, Romane, Kunst verschwinden in schwer bewachten Tresoren, der Papst wird ermordet, das Christentum verboten und sämtliche die Kirchen werden zerstört, zuletzt der große Dom von Al-Colonia (ehemals Köln). Als die „Sozialtechnokraten“ die endgültige Übergabe der weißen Homelands an die Muslimstaaten vorbereitet, bricht im Jahre 2046 ein letzter vergeblicher Aufstand auf, der jedoch niedergeschlagen wird. Damit ist Europas Schicksal besiegelt, ab 2200 sind die letzten Europäer aus der Geschichte verschwunden, und es bleibt ein großes Rätsel: wie konnte der einstmals so großartige Kontinent derart abstürzen?

Das fragt sich kummervoll und kopfschüttelnd Prof. Condor Bodhisattva, Meister des Ordens von Hyperborea der Universität Samarkanda im Jahre 2525. Seine Meinung: „die Menschen töteten zuerst ihre Götter und dann sich selbst.“ In den letzten Jahrzehnten Europas waren die Menschen von „Selbsthass“ zerfressen, hatten sich vom „Schönen“ abgewandt, feierten das „Hässliche“ und „Maßlose“ und  begrüßten die Millionen kulturfremder Einwanderer aus Afrika und Westasien, ohne zu realisieren, dass sie damit den Untergang ihrer Kultur unumkehrbar machten. Ein sensationeller Fund „die Chroniken des Lukas“, hatte diese Sichtweise erst kürzlich bestätigt.

Diese „Chroniken des Lukas“ bilden die erste Hälfte des vorliegenden Buches, Barthelemy Von kommmenden Stürmen-_genauer gesagt handelt es sich um die Tagebücher von M-301 einem Funktionär der herrschenden Sozialkaste aus der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts. Lukas M-301 hatte sich seiner eigenen Herrschaftsclique entfremdet und sich der  Widerstandsbewegung angeschlossen, die 2046 den erfolglosen letzten Aufstand unternahm. Am Ende floh Lukas M-301 aus Mitteleuropa in den noch freien Osten Europas, wo Transsilvania und die baltisch-polnische Konföderation unter dem Schutz des Russischen Reiches ihre Selbständigkeit noch hatten bewahren können.

Soweit der Umriss der Handlung dieser bitteren Dystopie, die viele Tendenzen der Gegenwart, mal treffend, mal überzogen, in eine nahe Zukunft projiziert. Man kann den Plot wahrscheinlich finden oder nicht – auf jeden Fall ist die Geschichte von Lukas und seiner Geliebten Zoe, vom widerlichen Radek, dem Verräter Grün  und dem aufrechten Sakharov gut geschrieben, wenngleich am Ende wenig erbaulich.  Im zweiten Teil des Buches allerdings wird’s mystisch, so mystisch und astral, dass ich nur noch quergelesen habe. Denn kaum im freien Transsilvania angekommen, wird Lukas alias M-301 ein „Psychonaut“, das heißt, er tritt in das ewige Reich der Astralexistenzen ein, das sich, so deutet es Professor Condor Bodhissatva an, nach einer langen Dunkelzeit am Ende auf der ganzen Erde durchsetzte.

Man kann es zuerst gar nicht glauben, aber das ist die merkwürdige Pointe dieses zunächst so furiosen Buches. Absolut unbefriedigend! Hätte Lukas doch einfach nur der Blitz getroffen oder wäre er in den Gulli gefallen, alles wäre besser gewesen als diese endlose mystische Geschrubel ( Sorry Thomas!)  im zweiten Teil des Buches. Der Roman ändert damit nicht nur sein Genre, der Autor selbst hat seinem Anliegen damit einen denkbar schlechten Dienst erwiesen. Denn ein Roman, der eine Dystopie entwirft und die Handlung am Ende ins Intelligible und damit ins Beliebige entschwinden lässt, trägt genau die dekadenten Züge der Zeit, die er gerade kritisieren will. Nur weil der erste Buchteil so beispielhaft gelungen ist, kommt das voliegende Buhc in miene Bücherkiste.

Barthelemy Von kommmenden Stürmen-_

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