Feldenkirchen: Die Schulz Story

Sculz Story 419ue3gXJ8L._SX322_BO1,204,203,200_Jeder, der im Frühjahr 2017 die Kür des Europapolitikers Martin Schulz zum SPD Heilsbringer medial miterlebte, konnte sich nur die Augen reiben über den Hype, der dabei von Partei und  Massenmedien veranstaltet wurde. Mit 100 % (!) wurde der Hoffnungsträger zum Kanzlerkandidaten der Partei gekürt, die Umfragewerte der SPD, wie immer sie auch gewonnen sein mochten,  schossen nach oben und überholten zeitweilig sogar die der Union.   Schon kurz darauf, nach drei aufeinanderfolgenden verlorenen Landtagswahlen war dann alles vorbei. Der „Schulz-Zug“ war entgleist, der Rest eine einzige Agonie, an deren Ende der Kandidat mit gerade mal 20 % das schlechteste Ergebnis der Parteigeschichte einfuhr. Soviel zur Aussagekraft selbstinszenierter Medienhypes.

Das vorliegende Buch des Spiegel Reporters Martin Feldenkirchen beschreibt ziemlich genau diesen Zeitraum, von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt wie ein Lehrstück über die Politkverfasstheit der bundesrepublikanischen Gesellschaft. Die Grundlage dieses Buches sind fünf Monate Augenzeugenschaft, in denen Markus Feldenkirchen die Kampagne des SPD Kanzlerkandidaten aus nächster Nähe verfolgen konnte. Herausgekommen ist eine  informativ geschriebene Reportage, die durch den Henry Nannen Preis als beste Reportage des Jahres 2017 ausgezeichnet wurde. Wem bei  „Henri Nanen Preis“ die Alarmglocken klingeln, weil auch der Spiegel Faker Claas Relotius den Henri Nannen Preis erhielt, liegt durchaus richtig, denn auch Feldenkirchens Reportage ist von tiefer Sympathie zu dem Gegenstand durchtränkt, den er eigneltich beschrieben soll. Soweit, Fakten zu fälschen, geht Feldenkrichen nicht ( das macht er erst zwei jahre später, als er AfD Politkern wider besseren Wissens  unterstellt, sie hätten auf Staatskosten ein Bordell besucht) , aber der ganze Duktus seiner Darstellung zeigt, dass Feldenkirchen und Schulz, der Reporter und sein Gegenstand gleichermaßen Teil derselben medialen Blase sind.  Denn inmitten des ganzen Eiertanzes um „Homo-Ehe“ und „Ehe für alle“ kommt das  Hauptproblem des Landes, die extreme Spaltung der Gesellschaft durch die von allen etablierten Parteien (und namentlich der SPD) mitgetragenen moslemischen Masseneinwanderung weder im Buch noch in der Wahlkampagne angemessen vor –  ebenso wenig wie die Thematisierung des Umstands, dass Martin Schulz, ob gerechtfertigt oder nicht,  wie kaum ein zweiter genau den Typus abgehobenen Bonzentums verkörperte, von dem die Leute die Nase voll hatten.  Den opportunistischen, sitzungsgeldakkumierenden und den politischen Gegner auf eine menschenverachtende Weise niedermachenden Martin Schulz scheint es gar nicht mehr zu geben, stattdessen erlebt der Leser den  aufrechten Selfmademan aus Würselen, der am liebsten Currywust isst und durchaus witzig, schlagfertig und authentisch sein kann.   Bis zur Vermittlung zwischen diesen beiden Perspektiven, die sicher beide ihr Recht haben werden   und der resümierenden Frage nach der Natur des bundesrepublikanischen Politikbetriebes dringt das Buch jedenfalls nicht vor.